Feb 9, 2012
Gepostet am Feb 9, 2012 | Keine Kommentare
Ich bin unzufrieden.
Die Zeitgeistigkeit einer Mailingliste kostet Zeit und bringt vom Effekt her wenig. Es ist mehr ein Instrument der Mobilisierung.
Liquid Feedback hingegen lässt vor allem den wissenschaftlichen Ansatz unter den Tisch fallen. Sprich die Dinge werden zerpflückt und neu zusammengesetzt. Das mag kurzweilig ganz lustig sein, aber es fördert nicht die Debatte in dem Sinne, dass Dinge Sachbezogen umgesetzt werden können. Auch fehlt an dieser Stelle erneut die Akzentsetzung, derer es bedürfte um Themen auch langfristig zu betreuen.
Die PADs hingegen ermöglichen zwar ein spontanes Arbeiten, doch bleibt es meist auch dabei und so ein Wiki ist schlussendlich immer mehr eine Sammlung und weniger eine Arbeit.
Für sich gesehen ist jedes einzelne Tool “nett”. Für längeres und aufbauendes Arbeiten ist jedoch keines geeignet. Zumal eine Akzentuierung fehlt, die Debatten anstößt. Es ist ein wenig zu viel Glück, was am Ende dabei herauskommt, sprich ob die Arbeit sich gelohnt hat.
Vor allem aber hat man gerade in den letzten Monaten den Eindruck, dass die Themenvorgabe von außen zu sehr auf die Themenwahl nach innen wirkt. An dieser Stelle hätte ich mir etwas mehr “Wünsche” des BuVos an die Basis erwartet. Soll heißen, ein guter BuVo unterstützt die Entwicklung der ureigenen Themen der Partei und lässt sich selbst nicht einfach nur treiben. Da kann auch einfach mal eine Brandschrift kommen. Ja, so etwas geht. Nicht nur die Basis sollte gegenüber einem BuVo kritisch sein. Demokratie ist, wenn auch das Gegenteil passiert.
Es stellt sich schon jetzt die alt bekannte Frage, wie eine Partei ihre Themen nicht nur entwickeln sondern auch wissenschaftlich unterlegen kann. Wie eine Partei Debatten in der Gesellschaft anstoßen kann und jene fördert, die in diesen Gebieten forschen oder sich hinein entwickeln. Anfänglich vielleicht auch einfach nur zusammenführt, was viele Einzelpersonen im Kleinen vor sich hin werkeln.
Ich sehe diesbezüglich nur eine Stiftung als dauerhafte Lösung.
Ich bin unzufrieden.
Die Zeitgeistigkeit einer Mailingliste kostet Zeit und bringt vom Effekt her wenig. Es ist mehr ein Instrument der Mobilisierung.
Liquid Feedback hingegen lässt vor allem den wissenschaftlichen Ansatz unter den Tisch fallen. Sprich die Dinge werden zerpflückt und neu zusammengesetzt. Das mag kurzweilig ganz lustig sein, aber es fördert nicht die Debatte in dem Sinne, dass Dinge Sachbezogen umgesetzt werden können. Auch fehlt an dieser Stelle erneut die Akzentsetzung, derer es bedürfte um Themen auch langfristig zu betreuen.
Die PADs hingegen ermöglichen zwar ein spontanes Arbeiten, doch bleibt es meist auch dabei und so ein Wiki ist schlussendlich immer mehr eine Sammlung und weniger eine Arbeit.
Für sich gesehen ist jedes einzelne Tool "nett". Für längeres und aufbauendes Arbeiten ist jedoch keines geeignet. Zumal eine Akzentuierung fehlt, die Debatten anstößt. Es ist ein wenig zu viel Glück, was am Ende dabei herauskommt, sprich ob die Arbeit sich gelohnt hat.
Vor allem aber hat man gerade in den letzten Monaten den Eindruck, dass die Themenvorgabe von außen zu sehr auf die Themenwahl nach innen wirkt. An dieser Stelle hätte ich mir etwas mehr "Wünsche" des BuVos an die Basis erwartet. Soll heißen, ein guter BuVo unterstützt die Entwicklung der ureigenen Themen der Partei und lässt sich selbst nicht einfach nur treiben. Da kann auch einfach mal eine Brandschrift kommen. Ja, so etwas geht. Nicht nur die Basis sollte gegenüber einem BuVo kritisch sein. Demokratie ist, wenn auch das Gegenteil passiert.
Es stellt sich schon jetzt die alt bekannte Frage, wie eine Partei ihre Themen nicht nur entwickeln sondern auch wissenschaftlich unterlegen kann. Wie eine Partei Debatten in der Gesellschaft anstoßen kann und jene fördert, die in diesen Gebieten forschen oder sich hinein entwickeln. Anfänglich vielleicht auch einfach nur zusammenführt, was viele Einzelpersonen im Kleinen vor sich hin werkeln.
Ich sehe diesbezüglich nur eine Stiftung als dauerhafte Lösung.
Feb 8, 2012
Gepostet am Feb 8, 2012 | Keine Kommentare
Man (!) kennt das ja. Der Wecker klingelt, wird drei- oder viermal totgeschlagen und dann ist es doch unausweichlich. Mit leicht geöffneten Lidern wandern die Augen zum Smartphone und diesem Twitter. Das ist der Moment des leichten Zitterns, denn tief in unserem inneren Wissen wir: Einer von der Fraktion der dummen Piraten (das sind die 99 %), hat wieder was gesagt.
Ich muss das nicht gendern, Frauen sind bei den Piraten bekanntlich nur für Tierschutz zuständig.
Jedenfalls: #Kevingate
Kevin Barth ist ein Anhänger des BaWüismus. Also einer dieser Baden-Württemberger, die einem von nah wie fern sehr eigenartig vorkommen. Das scheint mir ein kulturelles Erbe zu sein, denn auch schon die Grünen aus BaWü sind sehr komisch, und konservativer als der Mappus erlaubt. Aber, ich wollte ja nicht mehr BaWüistisch sein. Das ist nämlich böse.
Am 5. Februar 2012 gründete sich in Heidenheim der Kreisverband Heidenheim. Von 17 anwesenden Personen hießen sieben Barth mit Nachnamen und wählten einen aus ihren Reihen zum Vorstand. Kevin!
Der kleine Kevin war es, der dieses Mal den Mund aufgemacht hat: „ok, ich bin also antisemitisch weil ich die israelische kackpolitik und den juden an sich unsympathisch finde weil er einen sinnlosen krieg führt“
Alter Schwede, wenn Doro Bär das lesen müsste, würde sie ob dieser Interpunktion und weiterer Schwächen aus der Haut fahren.
Die Piraten jedoch kümmert das nicht weiter, die hacken auf dem armen Kevin rum, weil er ein Antisemit sei. Also seine Aussage und dadurch er.
Es ist nicht überliefert, ob Marina Weisband deswegen ihren Kreislaufkollaps hatte, der gestern durch meine Timeline waberte und nun nicht mehr auffindbar ist. Ungeachtet dessen forderte sie vom armen kleinen Kevin jedoch gleich den Rücktritt und war am Kotzen äh Brechen. Was irgendwie weniger kommunikationsaffin war, als noch zu vor bei Jauch gefordert. War halt nicht Fernsehen, da kann man ruhig mal … ach Marina <3 ich verstehe das schon.
Bevor ich es vergesse, dieser Kevin, der ist mittlerweile zurückgetreten. Noch bevor er sich seinen Worten im Dicken Engel stellte. Aber er kam trotzdem!
Von einer ebensolchen Kritiklosigkeit befallen, wie die Piraten gegenüber Marina Weisband, ist der BuVo Matthias Schrade gegenüber dem armen Kevin. So äußerte er sich dahin gehend, dass es doch offensichtlich sei, dass dieser kein Antisemit sei.
Wir müssen den Schrade (Deckname: Kungler) an dieser Stelle aber nicht falsch verstehen. Twitter überliefert, dass er gerne auch mal in Heidenheim ist. Da entwickelt man ein Verständnis für Land und Leute. Die Vorwürfe jedenfalls, so scheint Schrade überzeugt, hätten so einen Bart.
Noch viel mehr überzeugt ist die unabhängige Wählerin des Barths und vom Kevinismus befallene Mutter des noch nicht Angeklagten. In einer Brandrede geißelte sie die hier stattfindende Hexenjagd auf ihren Sohn.
Guten Morgen Deutschland!
Man (!) kennt das ja. Der Wecker klingelt, wird drei- oder viermal totgeschlagen und dann ist es doch unausweichlich. Mit leicht geöffneten Lidern wandern die Augen zum Smartphone und diesem Twitter. Das ist der Moment des leichten Zitterns, denn tief in unserem inneren Wissen wir: Einer von der Fraktion der dummen Piraten (das sind die 99 %), hat wieder was gesagt.
Ich muss das nicht gendern, Frauen sind bei den Piraten bekanntlich nur für Tierschutz zuständig.
Jedenfalls: #Kevingate
Kevin Barth ist ein Anhänger des BaWüismus. Also einer dieser Baden-Württemberger, die einem von nah wie fern sehr eigenartig vorkommen. Das scheint mir ein kulturelles Erbe zu sein, denn auch schon die Grünen aus BaWü sind sehr komisch, und konservativer als der Mappus erlaubt. Aber, ich wollte ja nicht mehr BaWüistisch sein. Das ist nämlich böse.
Am 5. Februar 2012 gründete sich in Heidenheim der Kreisverband Heidenheim. Von 17 anwesenden Personen hießen sieben Barth mit Nachnamen und wählten einen aus ihren Reihen zum Vorstand. Kevin!
Der kleine Kevin war es, der dieses Mal den Mund aufgemacht hat: „ok, ich bin also antisemitisch weil ich die israelische kackpolitik und den juden an sich unsympathisch finde weil er einen sinnlosen krieg führt“
Alter Schwede, wenn Doro Bär das lesen müsste, würde sie ob dieser Interpunktion und weiterer Schwächen aus der Haut fahren.
Die Piraten jedoch kümmert das nicht weiter, die hacken auf dem armen Kevin rum, weil er ein Antisemit sei. Also seine Aussage und dadurch er.
Es ist nicht überliefert, ob Marina Weisband deswegen ihren Kreislaufkollaps hatte, der gestern durch meine Timeline waberte und nun nicht mehr auffindbar ist. Ungeachtet dessen forderte sie vom armen kleinen Kevin jedoch gleich den Rücktritt und war am Kotzen äh Brechen. Was irgendwie weniger kommunikationsaffin war, als noch zu vor bei Jauch gefordert. War halt nicht Fernsehen, da kann man ruhig mal … ach Marina <3 ich verstehe das schon.
Bevor ich es vergesse, dieser Kevin, der ist mittlerweile zurückgetreten. Noch bevor er sich seinen Worten im Dicken Engel stellte. Aber er kam trotzdem!
Von einer ebensolchen Kritiklosigkeit befallen, wie die Piraten gegenüber Marina Weisband, ist der BuVo Matthias Schrade gegenüber dem armen Kevin. So äußerte er sich dahin gehend, dass es doch offensichtlich sei, dass dieser kein Antisemit sei.
Wir müssen den Schrade (Deckname: Kungler) an dieser Stelle aber nicht falsch verstehen. Twitter überliefert, dass er gerne auch mal in Heidenheim ist. Da entwickelt man ein Verständnis für Land und Leute. Die Vorwürfe jedenfalls, so scheint Schrade überzeugt, hätten so einen Bart.
Noch viel mehr überzeugt ist die unabhängige Wählerin des Barths und vom Kevinismus befallene Mutter des noch nicht Angeklagten. In einer Brandrede geißelte sie die hier stattfindende Hexenjagd auf ihren Sohn.
Guten Morgen Deutschland!
Feb 3, 2012
Gepostet am Feb 3, 2012 | Keine Kommentare
Über die Bewertung brauchen wir uns in Bezug auf Facebook wohl nicht unterhalten. Bei allem Optimismus, ist sie stark überzogen.
Diese Diskussion haben wir allerdings bei jedem IPO eines Start-Ups. Und so lautet die Frage auch weniger, ob es sich rechnet, sondern welche Chancen Facebook hat und in welchem Zeitrahmen sich diese umsetzen lassen.
Facebook nur anhand der Werbung zu betrachten, die eventuell möglich ist, scheint mir etwas zu kurz zu greifen. Zunächst ist Facebook als soziales Netzwerk zwar dafür prädestiniert, der Aufbau spricht aber dagegen. Wenn, dann fließt hier Geld durch professionelle “Freunde”, die Tools für ihr Treiben brauchen.
Auf der Gegenseite liegt der größte Vermögenswert in der Anzahl der Kunden, die sich gegenseitig an dem Unternehmen festhalten. Diese Bindung wächst durch externe Bindungen, z.B. durch Vereine, die Facebook zunehmend für ihre Organisation nutzen. Der Nutzer ist dadurch nicht nur mit seinem primären Sozialleben sondern auch mit seinem sekundären Sozialleben an das Netzwerk gebunden.
Hinzu kommen Spiele und die sich einschleichende Lebensorganisation. Facebook, als Allerwelts-Login, sprich Internet-Einwohnermeldeamt, erzeugt gerade erst Möglichkeiten, die zur Zeit noch nicht offensichtlich sind.
Der Punkt an alldem wird schlussendlich der Bereich “Bezahlen per Facebook” sein. Spende an den Verein? Facebook kassiert. Bestechungsgeld an den Polizeibeamten per Farmville-Gütern? Facebook kassiert.
Facebook ist in diesem Sinne kein soziales Netzwerk, sondern ein Umschlagplatz der B2B, B2C vor allem aber C2B und C2C erleichtert, dadurch Möglichkeiten schafft und an diesen dann verdient.
Man kann 100 Mrd. Dollar rechtfertigen. Man kann sie aber nicht rechnen. Ich halte sie deswegen für überzogen, weil Facebook sich zu sehr auf den Google-Aspekt des Geschäfts konzentriert. Nicht die Plattform ist der Vermögenswert, sondern die Kunden. Daran wird Facebook irgendwann auch scheitern. Meine Prognose.
Über die Bewertung brauchen wir uns in Bezug auf Facebook wohl nicht unterhalten. Bei allem Optimismus, ist sie stark überzogen.
Diese Diskussion haben wir allerdings bei jedem IPO eines Start-Ups. Und so lautet die Frage auch weniger, ob es sich rechnet, sondern welche Chancen Facebook hat und in welchem Zeitrahmen sich diese umsetzen lassen.
Facebook nur anhand der Werbung zu betrachten, die eventuell möglich ist, scheint mir etwas zu kurz zu greifen. Zunächst ist Facebook als soziales Netzwerk zwar dafür prädestiniert, der Aufbau spricht aber dagegen. Wenn, dann fließt hier Geld durch professionelle "Freunde", die Tools für ihr Treiben brauchen.
Auf der Gegenseite liegt der größte Vermögenswert in der Anzahl der Kunden, die sich gegenseitig an dem Unternehmen festhalten. Diese Bindung wächst durch externe Bindungen, z.B. durch Vereine, die Facebook zunehmend für ihre Organisation nutzen. Der Nutzer ist dadurch nicht nur mit seinem primären Sozialleben sondern auch mit seinem sekundären Sozialleben an das Netzwerk gebunden.
Hinzu kommen Spiele und die sich einschleichende Lebensorganisation. Facebook, als Allerwelts-Login, sprich Internet-Einwohnermeldeamt, erzeugt gerade erst Möglichkeiten, die zur Zeit noch nicht offensichtlich sind.
Der Punkt an alldem wird schlussendlich der Bereich "Bezahlen per Facebook" sein. Spende an den Verein? Facebook kassiert. Bestechungsgeld an den Polizeibeamten per Farmville-Gütern? Facebook kassiert.
Facebook ist in diesem Sinne kein soziales Netzwerk, sondern ein Umschlagplatz der B2B, B2C vor allem aber C2B und C2C erleichtert, dadurch Möglichkeiten schafft und an diesen dann verdient.
Man kann 100 Mrd. Dollar rechtfertigen. Man kann sie aber nicht rechnen. Ich halte sie deswegen für überzogen, weil Facebook sich zu sehr auf den Google-Aspekt des Geschäfts konzentriert. Nicht die Plattform ist der Vermögenswert, sondern die Kunden. Daran wird Facebook irgendwann auch scheitern. Meine Prognose.
Jan 31, 2012
Gepostet am Jan 31, 2012 | Keine Kommentare
Ich war so frei diskursübergreifend zu agierend, weswegen der Anfang etwas holprig ist.
AG Wirtschaft .. gesendet: Di 31.01.2012 14:16
In dem von dir beschriebenen Fall ist die „Asset Price Inflation“ keine Bubble im Sinne der Spekulation, wie es das Fazit nahe legt, sondern eine Fluchtbewegung aus der Realwirtschaft heraus um Geldvermögen zu sichern (also Konsumverzicht). In solchen Fällen steigen, historisch betrachtet, die Bewertungen weniger stark als die Inflationsbewegung. Die Rettung kostet entsprechend erst einmal „Bewertungsverluste“.
Das ist ein fundamentaler Unterschied, denn was du beschwörst, ist quasi das Verhalten im Zusammenbruch eines Systems. Das diskutiere ich aber nicht, sondern den generellen Aspekt, dass Geldschöpfung in der Finanzwirtschaft in Relation (zum Geschaffenen) nur einen sehr bedingten Abrieb auf die Realwirtschaft hat und in diesem Ausmaß immer nur dann vorkommt, wenn das Wachstum der Realwirtschaft ohnehin am Ende ist.
Sprich die Finanzwirtschaft zieht die Phase eines wirtschaftlichen Abschwungs nur ein paar Jahre / Jahrzehnte hinaus und extremisiert dadurch die ohnehin gärende, da verhinderte, wirtschaftliche Abschwungsphase. Der Bang findet dann bei 8 bis 12%-Anteil des Finanzmarktes am BIP statt. Die Ausnahmen solche Finanzwirtschaften wie GB, die über latent 10 % verfügen.
Die entstehende Schere zwischen Realwirtschaft und Geldmengenvermehrung ist an dieser Stelle nur der Ausdruck dafür, wie viel Aufwand für die Verschiebung notwendig ist und zeigt damit zugleich, wie stark die Trennung dieser beiden Parts ist, wenn sie nicht direkt an ihren Anknüpfungspunkten agieren (Bank gibt Kredit für X).
Deswegen können die Notenbanken momentan auch etwas haltloser im Markt agieren und ihn mit Geld fluten (36-Monatstender) oder vor Verlusten schützen und dabei direkt mit Eigenkapital versorgen (Aufkauf von bspw. Staatsanleihen), ohne dass unmittelbar Inflation entsteht. Hier wird versucht ausgleichend zu agieren und den Überschuss abzuschöpfen, der aufgrund von Bewertungsrückgängen schon gar nicht mehr vorhanden ist (siehe bilanzielle Entlastungspolitik).
Interessant wird das Thema für mich erst, wenn wir die aktuellen Aufpreisungen nicht so sehr im Sinne einer inflationären Entwicklung (basierend auf Geldpolitik) betrachten, sondern als Marktangleichung im Sinne der Wiederfindung der Realität.
Das kann man dann tun, wenn man davon ausgeht, dass die Auslagerung der westlichen Industrien nach China & Co. dazu führte, dass die Preise sanken resp. nicht stiegen, obwohl die Basiskosten der Produktion in ausgeglichenen Staaten wesentlich höher wären. Dieses künstliche Drücken der Preise durch Fluchtbewegungen würde in dieser Theorie dazu führen, dass die Preise nun über das hinaussteigen, was ausgeglichenerweise verlangt werden würde. Überkompensation zur Austarierung.
Die Basisannahme dafür müsste natürlich sein, dass die Globalisierung zumindest vom Schub her eine neue Dimension erreichte und diese Schübe erst neue Verwerfungen auslösen und in der Folge wieder nach einer Harmonisierung streben. Verwerfungen heißt in diesem Fall: Fehlanreize en masse. Siehe hierzu auch das penetrant den Zins senkende Kaufen von US-Staatsanleihen durch China.
Erst das führt dann in Kombination mit der Geldmengenausweitung zu einem Problem über das der Finanzbranche hinaus.
P. S.: Letzteres dürfte auch das Unwohlsein von Patrick Bernau erklären.
Ich war so frei diskursübergreifend zu agierend, weswegen der Anfang etwas holprig ist.
AG Wirtschaft .. gesendet: Di 31.01.2012 14:16
In dem von dir beschriebenen Fall ist die „Asset Price Inflation“ keine Bubble im Sinne der Spekulation, wie es das Fazit nahe legt, sondern eine Fluchtbewegung aus der Realwirtschaft heraus um Geldvermögen zu sichern (also Konsumverzicht). In solchen Fällen steigen, historisch betrachtet, die Bewertungen weniger stark als die Inflationsbewegung. Die Rettung kostet entsprechend erst einmal „Bewertungsverluste“.
Das ist ein fundamentaler Unterschied, denn was du beschwörst, ist quasi das Verhalten im Zusammenbruch eines Systems. Das diskutiere ich aber nicht, sondern den generellen Aspekt, dass Geldschöpfung in der Finanzwirtschaft in Relation (zum Geschaffenen) nur einen sehr bedingten Abrieb auf die Realwirtschaft hat und in diesem Ausmaß immer nur dann vorkommt, wenn das Wachstum der Realwirtschaft ohnehin am Ende ist.
Sprich die Finanzwirtschaft zieht die Phase eines wirtschaftlichen Abschwungs nur ein paar Jahre / Jahrzehnte hinaus und extremisiert dadurch die ohnehin gärende, da verhinderte, wirtschaftliche Abschwungsphase. Der Bang findet dann bei 8 bis 12%-Anteil des Finanzmarktes am BIP statt. Die Ausnahmen solche Finanzwirtschaften wie GB, die über latent 10 % verfügen.
Die entstehende Schere zwischen Realwirtschaft und Geldmengenvermehrung ist an dieser Stelle nur der Ausdruck dafür, wie viel Aufwand für die Verschiebung notwendig ist und zeigt damit zugleich, wie stark die Trennung dieser beiden Parts ist, wenn sie nicht direkt an ihren Anknüpfungspunkten agieren (Bank gibt Kredit für X).
Deswegen können die Notenbanken momentan auch etwas haltloser im Markt agieren und ihn mit Geld fluten (36-Monatstender) oder vor Verlusten schützen und dabei direkt mit Eigenkapital versorgen (Aufkauf von bspw. Staatsanleihen), ohne dass unmittelbar Inflation entsteht. Hier wird versucht ausgleichend zu agieren und den Überschuss abzuschöpfen, der aufgrund von Bewertungsrückgängen schon gar nicht mehr vorhanden ist (siehe bilanzielle Entlastungspolitik).
Interessant wird das Thema für mich erst, wenn wir die aktuellen Aufpreisungen nicht so sehr im Sinne einer inflationären Entwicklung (basierend auf Geldpolitik) betrachten, sondern als Marktangleichung im Sinne der Wiederfindung der Realität.
Das kann man dann tun, wenn man davon ausgeht, dass die Auslagerung der westlichen Industrien nach China & Co. dazu führte, dass die Preise sanken resp. nicht stiegen, obwohl die Basiskosten der Produktion in ausgeglichenen Staaten wesentlich höher wären. Dieses künstliche Drücken der Preise durch Fluchtbewegungen würde in dieser Theorie dazu führen, dass die Preise nun über das hinaussteigen, was ausgeglichenerweise verlangt werden würde. Überkompensation zur Austarierung.
Die Basisannahme dafür müsste natürlich sein, dass die Globalisierung zumindest vom Schub her eine neue Dimension erreichte und diese Schübe erst neue Verwerfungen auslösen und in der Folge wieder nach einer Harmonisierung streben. Verwerfungen heißt in diesem Fall: Fehlanreize en masse. Siehe hierzu auch das penetrant den Zins senkende Kaufen von US-Staatsanleihen durch China.
Erst das führt dann in Kombination mit der Geldmengenausweitung zu einem Problem über das der Finanzbranche hinaus.
P. S.: Letzteres dürfte auch das Unwohlsein von Patrick Bernau erklären.
Jan 29, 2012
Gepostet am Jan 29, 2012 | Keine Kommentare
Es kann durchaus spannend sein, wenn Soziologen sich mit Finanzthemen beschäftigen oder gar versuchen, die Thematiken aus beiden Blickwinkeln heraus zusammenzuführen. Es gelingt einem Wolfgang Streeck, auch wenn dieser zum Schluss dann doch ins allzu menschliche abdriftet.
Weniger gut gelingt es Hans-Jürgen Krysmanski. Er schreibt gerade ein Buch und ist bei seinen Recherchen noch nicht sonderlich weit. Aber eine Meinung hat er bereits und bekundet diese lautstark in der willfährigen TAZ.
Mir macht es langsam keinen Spaß mehr, diese platten Grunzlaute der Kapitalismuskritik über mich ergehen lassen zu müssen.
(weiterlesen …)
Es kann durchaus spannend sein, wenn Soziologen sich mit Finanzthemen beschäftigen oder gar versuchen, die Thematiken aus beiden Blickwinkeln heraus zusammenzuführen. Es gelingt einem Wolfgang Streeck, auch wenn dieser zum Schluss dann doch ins allzu menschliche abdriftet.
Weniger gut gelingt es Hans-Jürgen Krysmanski. Er schreibt gerade ein Buch und ist bei seinen Recherchen noch nicht sonderlich weit. Aber eine Meinung hat er bereits und bekundet diese lautstark in der willfährigen TAZ.
Mir macht es langsam keinen Spaß mehr, diese platten Grunzlaute der Kapitalismuskritik über mich ergehen lassen zu müssen.
Allein schon diese Reichen-Listen aus dem Manager-Magazin oder Forbes sind der reine Schund. Da werden ganz simpel die Vermögenswerte aufgelistet und summiert. Dass dahinter eventuell Kredite stehen, die in ihrer Höhe weit über den Vermögenswerten liegen, das juckt die Journalisten nicht. Es erklärt aber, wie bspw. ein Merkle-Imperium von heute auf gleich zusammenkrachen konnte, weil er sich etwas verzockt hat.
Würde er sich jedoch nicht verzocken, wäre sein Reichtum sehr schnell wieder sehr viel größer. Nicht dass dadurch etwa Dinge erklärt werden?
Natürlich haben wir in unserer Gesellschaft, und da könnte der Soziologe ansetzen, tatsächlich ein Problem, wenn wir Kredit als Reichtum definieren und diese Annahme als Verhalten auf unser wirtschaftliches Gebaren umlegen.
Es gibt sie ja durchaus, die Frage nach der Schuld des Schuldners und der moralischen Überlegenheit des Gläubigers. Daraus würde sich Zwang gegenüber Staaten ergeben, wenn diese Schulden nicht als etwas vollkommen natürliches ansehen würden. Der Zwang zur Tilgung, und das zeigt die Diskussion um Griechenland sehr gut, ergibt sich nicht aus der moralischen Verpflichtung zur Tilgung, sondern aus dem Willen und Verlangen des Staates, noch mehr Schulden aufnehmen zu wollen.
Ähnliches Unsinns-Denken findet man bei manchen Ökonomen, denen gerne mal die simple Erkenntnis fehlt, dass der handelnde Mensch seine Möglichkeiten immer voll ausschöpfen wird. Allein daraus ergibt sich bereits die Notwendigkeit von Regulierung.
Ja natürlich, es ist dann die Regulierung der Gläubiger. Die Folgen einer solchen Regulierung können wir uns aktuell anschauen:
Zum Feierabend zwei Grafiken, die man besser am Wochenende verdrängen sollte
Das Handeln der Politik schlägt auf das Handeln der Finanzkreise zurück. Zu beiderseitigem Nachteil.
Dass Menschen sich vernetzen, ist genauso wenig eine neue oder gar tief greifende Erkenntnis. Wir leben also sind wir vernetzt. Statt diese Vernetzung mit Verschwörungstheorien anzureichern und „alles steuernde Netzwerke“ zu erfinden, wäre es sinnvoller zu hinterfragen, wie wir in unserer Gesellschaft zu einer Gewichtung von Netzwerken, in Bezug auf die politische Einflussnahme, gelangen.
Auf Europa bezogen würde sich damit die Frage stellen, ob fehlende mediale Aufmerksamkeit für europäische Vorgänge tatsächlich den Lobbyismus befördert. Ob die Bürger dadurch dank einer schwachen Lobby weit weniger demokratisch bedacht werden als die verschiedenen Industrien. Oder welchen Einfluss die den Bürger vertretenden NGOs tatsächlich noch auf die Politik (auch in Deutschland) haben. Erst dadurch würden sich Ungleichgewichte aufzeigen.
Aber: ein schwieriges Thema ohne schnelle Erkenntnis. Fame gibt es woanders.
Z. B. bei der Erklärung, dass es Machteliten sind, die ihr ganzes Geld für 8 % in Staatsanleihen stecken und sich daran noch dümmer und dämlicher verdienen als jene, die solchen Unsinn propagieren.
Jan 25, 2012
Gepostet am Jan 25, 2012 | Keine Kommentare
Ich mache mich der Begrifflichkeit der Euro-Krise zumindest bei Bloggern ja nicht sonderlich beliebt, aber je mehr ich hinter die Kulissen blicke, je passender finde ich sie.
Während unsere geliebten Medien sich zurzeit über die Hedgefonds echauffieren, die angeblich ein Menschenrecht auf Rendite einklagen wollen, sollten wir uns kritisch der anderen Seite zuwenden. Z.B.:
Warum sind die angelsächsischen Investoren eigentlich so auf 180, wenn es um Europa geht?
(weiterlesen …)
Ich mache mich der Begrifflichkeit der Euro-Krise zumindest bei Bloggern ja nicht sonderlich beliebt, aber je mehr ich hinter die Kulissen blicke, je passender finde ich sie.
Während unsere geliebten Medien sich zurzeit über die Hedgefonds echauffieren, die angeblich ein Menschenrecht auf Rendite einklagen wollen, sollten wir uns kritisch der anderen Seite zuwenden. Z.B.:
Warum sind die angelsächsischen Investoren eigentlich so auf 180, wenn es um Europa geht?
Die Frage scheint mir auch deswegen bedeutend, weil nahezu alle Finanzjournalisten die ich kenne, sich in genau jener Zone der Welt über den Finanzmarkt und sein Gebaren informieren, in der die Berichterstattung so ziemlich den negativsten Einflüssen unterliegt. Und sicher nicht nur, weil die angelsächsischen Betrachter es schon immer wussten und die hiesigen Berichterstatter das nationale oder gar europäische meiden wie die Pest.
Wem an dieser Stelle auffallen sollte, dass das Wallstreet-Journal Deutschland eventuell einen Platz besetzen möchte, der gar nicht unbesetzt ist, darf sich als nicht all zu weit von meiner Meinung entfernt wähnen.
Weg vom Einschub, hin zum Thema.
Einen Anhaltspunkt hierzu bietet uns Martin Blessing. Seines Zeichens Chef der Commerzbank, die unter staatlicher Fuchtel steht. Er bestätigt das, was Merkel und Co. auch öffentlich äußerten, er auch persönlich bestätigt bekam. In Griechenland wird es bis 2013 keinen Schuldenschnitt geben. Man solle doch bitte die Anleihen behalten. Das ist absolut sicher.
Dieses Versprechen bekam jeder. Es stellte sich als Lüge heraus. Mittlerweile müssen die registrierten Geldgeber Griechenlands mit dem Land über einen Schuldenschnitt verhandlen. Natürlich absolut freiwillig.
Weil der freiwillig erzwungene Schuldenschnitt für ein einiges Europa bis heute nicht genug ist, müssen die europäischen Banken zusätzlich zum politisch generierten Verlust in der Bilanz, also dem Schuldenschnitt, auch noch ihr Eigenkapital stärken. Es müssen also alle betroffenen Banken bis Mitte 2012 Anlagewerte ungeachtet des Preises auf den Markt werfen, Dividenden einbehalten, und ihr Neugeschäft einschränken.
Die angelsächsisch geprägte Bankenlandschaft ist auf Merkozy entsprechend gut zu sprechen.
Die Beteiligung der registrierten Gläubiger, an der Rettung Griechenlands, scheint von außen betrachtet eine konzertierte Aktion der deutsch-französischen Macht-Achse zu sein. So verlautbarte Olli Rehn, Chef des ESFS, in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung, dass die Merkel und Sarkozy sich am Strand von Deauville auf dieses Vorgehen geeinigt hätten.
Ohne Absprache mit anderen Staaten oder gar Rücksprache mit den ausführenden Rettungsinstitutionen. Der Effekt dieses Handelns war die Zerstörung jeglichen Vertrauens in die Politik als Retter. Der Druck auf Spanien und insbesondere Italien erhöhte sich in der Folge um ein Vielfaches. Der Staat ist kein glaubwürdiger Partner für Geldgeber.
Zur Unterstützung dieses Eindrucks torpediert die Euro-Gruppe, allen voran Deutschland, seit Montag eine Einigung auf die Rahmenbedingungen des geforderten „freiwilligen“ Schuldenschnitts, die zumindest intern zwischen Griechenland und dem IIF erzielt wurde. Es werden jetzt weniger als 3,5 % gefordert, nachdem Deutschland bereits während der Verhandlungen Störfeuer absetzte und sich inoffiziell einmischte. Dabei wurden 3 % gefordert.
Das ist nicht ohne Zynismus, da die EU, ebenfalls als Gläubiger, nicht mal im Ansatz daran denkt, auf einen Teil ihrer ausstehenden Griechenland-Schulden zu verzichten. Die von Deutschland ausgehenden Interventionen gegenüber einer Einigung zwischen zwei Vertragspartnern bedeutet im eigentlichen Sinne bereits den Default von Griechenland. Eine Konsequenz, die S&P bereits bekanntgab, in dem man (!) für die aktuellen Verhandlungen im Ergebnis einen „Selective Default“ ankündigte.
Damit gibt es in der Euro-Zone nur noch eine vertrauenswürdige Institution. Die EZB.
Diese wiederum sieht sich durch den IWF der Forderung ausgesetzt, doch bitte ebenfalls am Schuldenschnitt teilzunehmen. Entschiedene Zurückweisungen fehlen bis dato, auch wenn sie mehr als notwendig erscheinen.
Nach dem Eingreifen der EZB wird ohnehin in einem fort gerufen. Weniger wahrgenommen wird, dass es auch erfolgt. Selbst dann, wenn die EZB bekundet, dass sie nicht endlos und immer zur Verfügung steht. Sobald es nötig wurde, stand sie bis dato immer bereit und sie kauft auch jetzt europäische Staatsanleihen direkt am Markt auf oder gibt jeder Bank das Geld, welches sie benötigt. Notfalls unter Garantie des jeweiligen Heimatstaates, wie im Fall von Italien.
Jan 6, 2012
Gepostet am Jan 6, 2012 | Keine Kommentare
Manchmal verstehe ich die Berichterstattung in den Medien nicht einmal ansatzweise. Erst rechnet uns beispielsweise die FAZ extrem hohe Renditen für griechische Anleihen vor und hatte damit ein durchaus marktbewegendes Momentum. Kurz darauf erklärt sie uns, wie riskant das alles doch sei und haut dabei Argumente raus, die einfach falsch sind.
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Manchmal verstehe ich die Berichterstattung in den Medien nicht einmal ansatzweise. Erst rechnet uns beispielsweise die FAZ extrem hohe Renditen für griechische Anleihen vor und hatte damit ein durchaus marktbewegendes Momentum. Kurz darauf erklärt sie uns, wie riskant das alles doch sei und haut dabei Argumente raus, die einfach falsch sind.
Die Folge ist in beiden Fällen tatsächlich eine marktbewegende Auswirkung. Soll heißen, beim ersten Artikel steigen die Anleihen, beim zweiten sinken sie. Ob das nun zeitliches Glück ist oder die Kleinanleger getrieben wurden, darüber kann gerätselt werden. Fakt ist, die Zeitung hat eine Verantwortung und der muss sie gerecht werden.
Die Zinslüge
Man kann das ja tun. Anleihen, die bei 45% stehen und noch knapp 3 Monate laufen, so zu berechnen, dass in 3 Monaten 100% ausgezahlt werden und das dann mal 4 nehmen. Die FAZ rechnete noch krasser, aber belassen wir es dabei. Für Anleger ist es so, dass sie zu 45% kaufen und 100% bekommen, wenn die Spekulation aufgeht. Und natürliche die normale Abschlusszinszahlung, die bei jetzigem Kauf aber auch schon niedriger ist. Das sind keine vierstelligen %-Renditen. Und es ist auch nicht reproduzierbar, sondern einmalig, weswegen die Berechnung auf das Gesamtjahr Blödsinn ist. Wer die Rechnung vollkommen ad absurdum führen will, wird sich vergegenwärtigen, dass solche Spekulationen im Sinne eines ordentlichen Risikomanagements mit 1-10% der zur Verfügung stehenden Gelder begangen wird. Die Auswirkungen auf das Gesamte sind entsprechend niedrig.
Da der Deutsche eine Zinsgier in sich trägt, ist es aber wohl des Journalisten Pflicht. Die Zinsgier selbst rührt aus der jahrzehntelangen Gewöhnung des Sparbuchs her. Der beliebtesten Anlageform hierzulande, die auch zum Spiel mit Zins-Zertifikaten führte, denn Aktien an sich werden als Teufelszeugs angesehen.
Die Griechen können einfach Pleite gehen
Das steckt jedenfalls hinter der Aussage, die seitens der FAZ getroffen wird. Denn angenommen, die Griechen zwingen einfach alle Gläubiger zum Verzicht, dann wird dies umgehend als Kreditausfall gewertet. Staatsinsolvenz. Das gleiche gilt für jede Art nachteiliger Veränderung an den Anleihenbedingungen.
Im Fall der Staatsinsolvenz ist vor allem eine Gläubigergruppe betroffen: Die EU und ihre Institutionen, die mittlerweile rund 44% der griechischen Schulden "aufgesaugt" haben.
Wollen die Griechen und die verhandelnden Institutionen also Dinge nicht hinnehmen, weil sie ungerecht erscheinen oder sonstwie geartet doof sind, dann gibt es nur den Weg der Insolvenz und somit der Generierung von unmittelbaren Verlusten für die beteiligten Staatshaushalte. Im Sinne der angestrebten Haushaltskonsolidierung innerhalb der EU nahezu ein Ding der Unmachbarkeit. Auch Deutschland dürfte dies das AAA-Rating kosten und somit die Zinskosten in die Höhe treiben.
Der Autor schmeißt dann die Begrifflichkeit der privaten Investoren in den Raum, mit denen zurzeit über einen freiwilligen Schuldenschnitt verhandelt wird. Das ist sehr schwammig, denn es wird kein Unterschied gezogen. Mal sind es nur die Banken, mal sind es Banken und Kleinanleger. Verhandelt wird momentan aber nur mit den Banken und ein paar Hedgefonds, das sind die angeblich privaten Investoren. Im Finanzjargon nennt man diese "institutionelle Investoren".
Genauer wurde es immerhin bei den Ausführungen zum Thema "collective action clauses". Sie bringen lediglich mehr Spielraum bei den Verhandlungen, denn ein Lösungsangebot muss dann nur noch der Mehrheit der Gläubiger genügen, um für alle zu gelten. Momentan ist es so, dass jeder Gläubiger für sich selbst entscheiden kann, wie er verfährt, wenn die Griechen ein Angebot für einen Schuldenschnitt unterbreiten. Aber auch hier gilt, dass dies den Zahlungsausfall bedeuten würde. Dies wird dann nicht erst ein Gericht durch Klagen der Hedgefonds feststellen. Der zeitliche Ablauf ist: sofort.