Tellerrand-Bashing
Ich war so frei diskursübergreifend zu agierend, weswegen der Anfang etwas holprig ist.
AG Wirtschaft .. gesendet: Di 31.01.2012 14:16
In dem von dir beschriebenen Fall ist die „Asset Price Inflation“ keine Bubble im Sinne der Spekulation, wie es das Fazit nahe legt, sondern eine Fluchtbewegung aus der Realwirtschaft heraus um Geldvermögen zu sichern (also Konsumverzicht). In solchen Fällen steigen, historisch betrachtet, die Bewertungen weniger stark als die Inflationsbewegung. Die Rettung kostet entsprechend erst einmal „Bewertungsverluste“.
Das ist ein fundamentaler Unterschied, denn was du beschwörst, ist quasi das Verhalten im Zusammenbruch eines Systems. Das diskutiere ich aber nicht, sondern den generellen Aspekt, dass Geldschöpfung in der Finanzwirtschaft in Relation (zum Geschaffenen) nur einen sehr bedingten Abrieb auf die Realwirtschaft hat und in diesem Ausmaß immer nur dann vorkommt, wenn das Wachstum der Realwirtschaft ohnehin am Ende ist.
Sprich die Finanzwirtschaft zieht die Phase eines wirtschaftlichen Abschwungs nur ein paar Jahre / Jahrzehnte hinaus und extremisiert dadurch die ohnehin gärende, da verhinderte, wirtschaftliche Abschwungsphase. Der Bang findet dann bei 8 bis 12%-Anteil des Finanzmarktes am BIP statt. Die Ausnahmen solche Finanzwirtschaften wie GB, die über latent 10 % verfügen.
Die entstehende Schere zwischen Realwirtschaft und Geldmengenvermehrung ist an dieser Stelle nur der Ausdruck dafür, wie viel Aufwand für die Verschiebung notwendig ist und zeigt damit zugleich, wie stark die Trennung dieser beiden Parts ist, wenn sie nicht direkt an ihren Anknüpfungspunkten agieren (Bank gibt Kredit für X).
Deswegen können die Notenbanken momentan auch etwas haltloser im Markt agieren und ihn mit Geld fluten (36-Monatstender) oder vor Verlusten schützen und dabei direkt mit Eigenkapital versorgen (Aufkauf von bspw. Staatsanleihen), ohne dass unmittelbar Inflation entsteht. Hier wird versucht ausgleichend zu agieren und den Überschuss abzuschöpfen, der aufgrund von Bewertungsrückgängen schon gar nicht mehr vorhanden ist (siehe bilanzielle Entlastungspolitik).
Interessant wird das Thema für mich erst, wenn wir die aktuellen Aufpreisungen nicht so sehr im Sinne einer inflationären Entwicklung (basierend auf Geldpolitik) betrachten, sondern als Marktangleichung im Sinne der Wiederfindung der Realität.
Das kann man dann tun, wenn man davon ausgeht, dass die Auslagerung der westlichen Industrien nach China & Co. dazu führte, dass die Preise sanken resp. nicht stiegen, obwohl die Basiskosten der Produktion in ausgeglichenen Staaten wesentlich höher wären. Dieses künstliche Drücken der Preise durch Fluchtbewegungen würde in dieser Theorie dazu führen, dass die Preise nun über das hinaussteigen, was ausgeglichenerweise verlangt werden würde. Überkompensation zur Austarierung.
Die Basisannahme dafür müsste natürlich sein, dass die Globalisierung zumindest vom Schub her eine neue Dimension erreichte und diese Schübe erst neue Verwerfungen auslösen und in der Folge wieder nach einer Harmonisierung streben. Verwerfungen heißt in diesem Fall: Fehlanreize en masse. Siehe hierzu auch das penetrant den Zins senkende Kaufen von US-Staatsanleihen durch China.
Erst das führt dann in Kombination mit der Geldmengenausweitung zu einem Problem über das der Finanzbranche hinaus.
P. S.: Letzteres dürfte auch das Unwohlsein von Patrick Bernau erklären.
