Politisches Versagen heizt die Euro-Krise an
Ich mache mich der Begrifflichkeit der Euro-Krise zumindest bei Bloggern ja nicht sonderlich beliebt, aber je mehr ich hinter die Kulissen blicke, je passender finde ich sie.
Während unsere geliebten Medien sich zurzeit über die Hedgefonds echauffieren, die angeblich ein Menschenrecht auf Rendite einklagen wollen, sollten wir uns kritisch der anderen Seite zuwenden. Z.B.:
Warum sind die angelsächsischen Investoren eigentlich so auf 180, wenn es um Europa geht?
Die Frage scheint mir auch deswegen bedeutend, weil nahezu alle Finanzjournalisten die ich kenne, sich in genau jener Zone der Welt über den Finanzmarkt und sein Gebaren informieren, in der die Berichterstattung so ziemlich den negativsten Einflüssen unterliegt. Und sicher nicht nur, weil die angelsächsischen Betrachter es schon immer wussten und die hiesigen Berichterstatter das nationale oder gar europäische meiden wie die Pest.
Wem an dieser Stelle auffallen sollte, dass das Wallstreet-Journal Deutschland eventuell einen Platz besetzen möchte, der gar nicht unbesetzt ist, darf sich als nicht all zu weit von meiner Meinung entfernt wähnen.
Weg vom Einschub, hin zum Thema.
Einen Anhaltspunkt hierzu bietet uns Martin Blessing. Seines Zeichens Chef der Commerzbank, die unter staatlicher Fuchtel steht. Er bestätigt das, was Merkel und Co. auch öffentlich äußerten, er auch persönlich bestätigt bekam. In Griechenland wird es bis 2013 keinen Schuldenschnitt geben. Man solle doch bitte die Anleihen behalten. Das ist absolut sicher.
Dieses Versprechen bekam jeder. Es stellte sich als Lüge heraus. Mittlerweile müssen die registrierten Geldgeber Griechenlands mit dem Land über einen Schuldenschnitt verhandlen. Natürlich absolut freiwillig.
Weil der freiwillig erzwungene Schuldenschnitt für ein einiges Europa bis heute nicht genug ist, müssen die europäischen Banken zusätzlich zum politisch generierten Verlust in der Bilanz, also dem Schuldenschnitt, auch noch ihr Eigenkapital stärken. Es müssen also alle betroffenen Banken bis Mitte 2012 Anlagewerte ungeachtet des Preises auf den Markt werfen, Dividenden einbehalten, und ihr Neugeschäft einschränken.
Die angelsächsisch geprägte Bankenlandschaft ist auf Merkozy entsprechend gut zu sprechen.
Die Beteiligung der registrierten Gläubiger, an der Rettung Griechenlands, scheint von außen betrachtet eine konzertierte Aktion der deutsch-französischen Macht-Achse zu sein. So verlautbarte Olli Rehn, Chef des ESFS, in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung, dass die Merkel und Sarkozy sich am Strand von Deauville auf dieses Vorgehen geeinigt hätten.
Ohne Absprache mit anderen Staaten oder gar Rücksprache mit den ausführenden Rettungsinstitutionen. Der Effekt dieses Handelns war die Zerstörung jeglichen Vertrauens in die Politik als Retter. Der Druck auf Spanien und insbesondere Italien erhöhte sich in der Folge um ein Vielfaches. Der Staat ist kein glaubwürdiger Partner für Geldgeber.
Zur Unterstützung dieses Eindrucks torpediert die Euro-Gruppe, allen voran Deutschland, seit Montag eine Einigung auf die Rahmenbedingungen des geforderten „freiwilligen“ Schuldenschnitts, die zumindest intern zwischen Griechenland und dem IIF erzielt wurde. Es werden jetzt weniger als 3,5 % gefordert, nachdem Deutschland bereits während der Verhandlungen Störfeuer absetzte und sich inoffiziell einmischte. Dabei wurden 3 % gefordert.
Das ist nicht ohne Zynismus, da die EU, ebenfalls als Gläubiger, nicht mal im Ansatz daran denkt, auf einen Teil ihrer ausstehenden Griechenland-Schulden zu verzichten. Die von Deutschland ausgehenden Interventionen gegenüber einer Einigung zwischen zwei Vertragspartnern bedeutet im eigentlichen Sinne bereits den Default von Griechenland. Eine Konsequenz, die S&P bereits bekanntgab, in dem man (!) für die aktuellen Verhandlungen im Ergebnis einen „Selective Default“ ankündigte.
Damit gibt es in der Euro-Zone nur noch eine vertrauenswürdige Institution. Die EZB.
Diese wiederum sieht sich durch den IWF der Forderung ausgesetzt, doch bitte ebenfalls am Schuldenschnitt teilzunehmen. Entschiedene Zurückweisungen fehlen bis dato, auch wenn sie mehr als notwendig erscheinen.
Nach dem Eingreifen der EZB wird ohnehin in einem fort gerufen. Weniger wahrgenommen wird, dass es auch erfolgt. Selbst dann, wenn die EZB bekundet, dass sie nicht endlos und immer zur Verfügung steht. Sobald es nötig wurde, stand sie bis dato immer bereit und sie kauft auch jetzt europäische Staatsanleihen direkt am Markt auf oder gibt jeder Bank das Geld, welches sie benötigt. Notfalls unter Garantie des jeweiligen Heimatstaates, wie im Fall von Italien.
Keine Antworten to “Politisches Versagen heizt die Euro-Krise an”
Trackbacks/Pingbacks
- Kleine Presseschau vom 25. Januar 2012 | Die Börsenblogger - [...] goowell: Politisches Versagen heizt die Euro-Krise an [...]




















