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Griechenland: Berichterstattung der FAZ

Manchmal verstehe ich die Berichterstattung in den Medien nicht einmal ansatzweise. Erst rechnet uns beispielsweise die FAZ extrem hohe Renditen für griechische Anleihen vor und hatte damit ein durchaus marktbewegendes Momentum. Kurz darauf erklärt sie uns, wie riskant das alles doch sei und haut dabei Argumente raus, die einfach falsch sind.

Die Folge ist in beiden Fällen tatsächlich eine marktbewegende Auswirkung. Soll heißen, beim ersten Artikel steigen die Anleihen, beim zweiten sinken sie. Ob das nun zeitliches Glück ist oder die Kleinanleger getrieben wurden, darüber kann gerätselt werden. Fakt ist, die Zeitung hat eine Verantwortung und der muss sie gerecht werden.

Die Zinslüge

Man kann das ja tun. Anleihen, die bei 45% stehen und noch knapp 3 Monate laufen, so zu berechnen, dass in 3 Monaten 100% ausgezahlt werden und das dann mal 4 nehmen. Die FAZ rechnete noch krasser, aber belassen wir es dabei. Für Anleger ist es so, dass sie zu 45% kaufen und 100% bekommen, wenn die Spekulation aufgeht. Und natürliche die normale Abschlusszinszahlung, die bei jetzigem Kauf aber auch schon niedriger ist. Das sind keine vierstelligen %-Renditen. Und es ist auch nicht reproduzierbar, sondern einmalig, weswegen die Berechnung auf das Gesamtjahr Blödsinn ist. Wer die Rechnung vollkommen ad absurdum führen will, wird sich vergegenwärtigen, dass solche Spekulationen im Sinne eines ordentlichen Risikomanagements mit 1-10% der zur Verfügung stehenden Gelder begangen wird. Die Auswirkungen auf das Gesamte sind entsprechend niedrig.

Da der Deutsche eine Zinsgier in sich trägt, ist es aber wohl des Journalisten Pflicht. Die Zinsgier selbst rührt aus der jahrzehntelangen Gewöhnung des Sparbuchs her. Der beliebtesten Anlageform hierzulande, die auch zum Spiel mit Zins-Zertifikaten führte, denn Aktien an sich werden als Teufelszeugs angesehen.

Die Griechen können einfach Pleite gehen

Das steckt jedenfalls hinter der Aussage, die seitens der FAZ getroffen wird. Denn angenommen, die Griechen zwingen einfach alle Gläubiger zum Verzicht, dann wird dies umgehend als Kreditausfall gewertet. Staatsinsolvenz. Das gleiche gilt für jede Art nachteiliger Veränderung an den Anleihenbedingungen.

Im Fall der Staatsinsolvenz ist vor allem eine Gläubigergruppe betroffen: Die EU und ihre Institutionen, die mittlerweile rund 44% der griechischen Schulden “aufgesaugt” haben.

Wollen die Griechen und die verhandelnden Institutionen also Dinge nicht hinnehmen, weil sie ungerecht erscheinen oder sonstwie geartet doof sind, dann gibt es nur den Weg der Insolvenz und somit der Generierung von unmittelbaren Verlusten für die beteiligten Staatshaushalte. Im Sinne der angestrebten Haushaltskonsolidierung innerhalb der EU nahezu ein Ding der Unmachbarkeit. Auch Deutschland dürfte dies das AAA-Rating kosten und somit die Zinskosten in die Höhe treiben.

Der Autor schmeißt dann die Begrifflichkeit der privaten Investoren in den Raum, mit denen zurzeit über einen freiwilligen Schuldenschnitt verhandelt wird. Das ist sehr schwammig, denn es wird kein Unterschied gezogen. Mal sind es nur die Banken, mal sind es Banken und Kleinanleger. Verhandelt wird momentan aber nur mit den Banken und ein paar Hedgefonds, das sind die angeblich privaten Investoren. Im Finanzjargon nennt man diese “institutionelle Investoren”.

Genauer wurde es immerhin bei den Ausführungen zum Thema “collective action clauses”. Sie bringen lediglich mehr Spielraum bei den Verhandlungen, denn ein Lösungsangebot muss dann nur noch der Mehrheit der Gläubiger genügen, um für alle zu gelten. Momentan ist es so, dass jeder Gläubiger für sich selbst entscheiden kann, wie er verfährt, wenn die Griechen ein Angebot für einen Schuldenschnitt unterbreiten. Aber auch hier gilt, dass dies den Zahlungsausfall bedeuten würde. Dies wird dann nicht erst ein Gericht durch Klagen der Hedgefonds feststellen. Der zeitliche Ablauf ist: sofort.

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