search
top

Diese Sache mit dem Informieren und Rumnetzen

Links.

Da steht meine Blogroll. Inklusive einiger Wirtschaftsblogs. Dennoch werde ich für meinen Geschmack etwas zu oft gefragt, welche Blogs und Zeitungen ich lese.

Die in der Blogroll jedenfalls recht häufig.

Ich kann die Frage nur bedingt beantworten, denn es gibt kein Medium, dass ich bevorzuge. Generell lebe ich im Agenturticker, was bei Hinweisen oftmals zu fehlenden Quellenangaben in Form von Links führt.

Das zweite Einzugsgebiet ist Twitter. Ich lehne u.a. deswegen das “smile or die” Gebahren sozialer Netzwerke ab, weil es sie unübersichtlich macht und damit uninformativ. Wer wissen will, was und wen ich lese, kann das anhand der von mir verfolgten Persönlichkeiten und ihrer Inhalte nachvollziehen.

Die Mischung ist zwangsläufig auch privater Natur, was das Ganze für mich erst Interessant macht und sich auch in der etwas launischen Themenwahl dieses Blogs widerspiegelt.

Ökonomie und wirtschaftliche Betrachtungen sind mehr, als nur die dröge Theorie und Berechnung, welche in der Lehre dominiert und in dieser nur ganz langsam zusammen wächst.

In meinem Verständnis geht es um den Kern des Individuums und seine Funktionsweise in der Masse. Interpretationen und Erkenntnisse sind dem entsprechend immer auch persönliche Einschätzungen und Erfahrungen. Analysen werden dadurch menschlicher, also näher am Mensch. Sie generieren eine Verständlichkeit über die reine Lehre hinaus und ermöglichen dadurch erst das Zusammenführen gesellschaftlicher Ansprüche und ökonomischer Denkweisen.

Mit dem Blog stoße ich dabei mittlerweile an die Grenzen der Darstellbarkeit, zumindest wenn ich es zeitlich in einem Rahmen halten möchte, der es mir erlaubt nebenher noch einen Beruf auszuüben. Wobei letzterer dafür sorgt, dass die angestrebte Zusammenführung hauptsächlich über die reinen Finanzmarkt-Themen erfolgt, was mir wieder Probleme auf der Argumentationsseite für ökonomisch Interessierte beschert.

Entsprechend bleibt das Ding hier weiterhin eher ein austesten dessen, was möglich ist. Auffällig dabei ist, dass der Einzug der Leserschaft sich in den letzten Monaten komplett auf Twitter verlagert hat. Das Blog in der Wahrnehmung von außen also einer Plattformabhängigkeit unterliegt.

Da diese Plattform zugleich einer der Informationskerne ist, entsteht eine stets zu prüfende Wechselwirkung. Grundsätzlich lässt sich bereits jetzt feststellen, dass gut gelesene Themen immer Themen des aktuellen Interesses sind. So weit so klar. Weniger klar war mir bisher, dass eine niedere Qualität bei längeren Texten diesbezüglich nicht zu weniger Lesern führt. Im Gegenzug führen kurze und streitbare Aussagen niederer Qualität zu einem Leser-Boost.

Für mich ist damit der grundsätzliche Beweis erbracht, dass auch im Internet und bei seinen Jüngern nicht die Qualität in Vordergrund steht, sondern der Aufreger am Rande. Der Piraten #dailygate lässt grüßen.

Bösartigkeiten gegenüber Holzmedien lassen sich damit auf pubertäres Abstoßungsverhalten reduzieren. Das lässt sich ganz gut dadurch auflösen, in dem die alteingesessenen Medien Cookies verteilen. Schirrmacher ahead und gleiches lässt sich auch bei dieser jungen Partei beobachten, die sich von einem Peter Altmaier beeindrucken und ihn dadurch zum Internet-Propheten für unentschlossene Wähler werden lässt.

Wer hierzu Analogien benötigt, wird sie in den Anfangszeiten der deutschen Blogs finden. Seinerzeit pushten freie Journalisten u.ä. Ambitionierte das Thema, um sich für Podien etc. zu empfehlen. Gegründet war das auf Verzweiflung, denn anders wollte sie niemand so richtig haben. Die 2-3 Ausnahmen sind nun wirklich kein Gegenargument.

Dahinter steht die Verkenntnis politischer Entscheidungsfindung beim unentschlossenen Volk. Da hat jeder seine paar kleinen Anliegen und danach geht es nur noch um Verkraftbarkeit. Ich bin kein Soldat, also ist es mir egal, ob wir Dinge in Afghanistan tun, heißt es dann ganz simpel. Gehört das Thema innere Sicherheit nicht zum Kernthema einer Person, dann ist es “wird schon werden”. Daher kommt es, dass Menschen die Freiheitseingriffe des Staates ablehnen, zugleich aber CDU wählen. Wirtschaftspolitik, also Arbeitsplätze und Einkommen, ist denen wichtiger.

Die Aufgabe von Parteien und Aktivisten, die sich sich bspw. gegen eine VDS aussprechen, ist es also nicht Argumente dagegen zu sammeln, sondern das Thema wichtig werden zu lassen und Im Gespräch zu halten.

Wie auch immer. Wer nun politisch ohnehin schon anders verankert ist, als bei den Keksempfängern, gründet zur Zeit gerne mal einen Verein und behauptet, etwas für Netzpolitik zu tun. Während man das einer Digiges ob der vorherigen Aktivität Ihrer Mitglieder noch abnimmt, wird es bei D64 dann schon etwas lächerlich.

Bei mir selbst, wächst durch diesen Wust im Übrigen zunehmend die Sympathie für den CCC.

Wir stehen momentan am Anfang eines Dogmen-Wechsels. Was Zensursula vereinte zersplittert sich zunehmend in Interessengrüppchen, die politischen Ziele durchsetzen wollen. Aus dem Internet heraus bildet sich ein gesellschaftlicher Anspruch der Teilnehmer. Aber auch eine zerbreite Masse, deren Einigungsfundament nur noch auf wenigen Kernpunkten wie Vorratsdatenspeicherung und Netzsperren besteht.

Diese Zersplitterung ist für die Kernpunkte ein Problem, denn es werden Ressourcen aus jenen Aktivisten-Gruppierungen abgezogen, die in der Lage sind eine Opposition aufzubauen und Willens, diese auch bedingungslos umzusetzen.

Das gilt auch für die Piratenpartei, deren grundsätzliche Struktur das Cookie-Phänomen befördert. Das heißt nicht, dass Punkte hier verschwinden, sondern nur, dass sie unwichtiger werden. Sie werden zur Einigungsmasse des politischen Handelns.

Als Keks der Erkenntnis spielt die momentane Shitstorm-Kultur eine nicht zu verachtende Rolle. Der kurze aufregende Reflex, meist aus Spass an der Freude, schafft Gewöhnung. Als der Piraten-LV Bayern seine Aussagen zur BGE-Abstimmung verbreitete, ließ man (!) bspw. durchblicken, dass die Reaktionen erwartet werden. Die logische Konsequenz: abwarten und einfach in Ruhe weiter machen. Es juckt mittlerweile keine Sau mehr.

Wie in diesem Umfeld dauerhaft Themen beackert werden können sollen, ist mir schleierhaft. Es ist ähnlich den Angeboten wie SPON, die einfach nur noch dramatisierend darstellen, was gerade läuft ohne dies groß zu hinterfragen. Dabei aber per Öffentlichkeit dafür sorgt, dass die Dinge schneller resp. unausgereifter entwickelt und transportiert werden. Das Format stört sich nicht daran, es erfreut sich.

Das #xyzgate, also solches, ist eine Reaktion der Überforderung. Ähnlich der Entstehung der “the winner takes it all”-Mentalität ist die Nutzer-Reaktion auf zu viel Vielfältigkeit die Konzentration auf Weniges oder, in diesem Fall, auf Simples. Eine Reaktion, die im Internet Standard scheint, wie schon sehr früh beim Thema Verschwörungstheorie bewiesen werden konnte.

Da es hierbei auch um Ruhe und Beruhigung geht, ist die Gründung von Parteien und Vereinen wohl auch nur die logische Konsequenz.

Keine Antworten to “Diese Sache mit dem Informieren und Rumnetzen”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Flattr-Einnahmen 2012-01 | goowell - [...] Diese Sache mit dem Informieren und Rumnetzen [...]

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

top