Ökonomisches Gänseblümchen-Blätter abreißen
Es gibt sie, es gibt sie nicht …
Themenauswahl: Kreditklemme, Hyperinflation, Depression, Systemkrise, Weltuntergänge (<- „die“ wahrender Pluralismus)
Nachstehender Text ist angelehnt und gedanklich weitergeführt, basierend auf der Szenarioüberlegung: Inflation vs. Reflation.
Anpassung der seinerzeit aktuellen Betrachtungen
Obama hat im Grunde bisher nicht viel geändert. Die monetären Maßnahmen der Vorgängerregierung wurden konsequent weitergeführt, bei der Reform des Gesundheitswesens kommt er nur schwer voran und die bisherigen Regulierungsmaßnahmen für die Finanzwirtschaft sind vieles, nur kein großer Wurf.
Allerdings, er schafft es durch Auftritte mit Symbolwirkung zu glänzen und setzt außenpolitisch an allen wichtigen Ecken Akzente der Entspannung. Dadurch entsteht zumindest der Eindruck, er habe die Lage im Griff und Amerika vollzieht eine tief greifende Änderung. Psychologisch wertvoll.
Ob diese positive Stimmung ins Gegenteilige umschlägt, wenn der von mir erwartete Rückschlag der wirtschaftlichen Erholungssignale eintrifft, wird man im 1. Halbjahr 2010 analysieren können.
Medial hat die Stimmung mittlerweile von Deflation auf Hyperinflation gedreht. Dabei unterliegt die deutsche Politik weiterhin einer großen Inflationsangst während der Druck aus Regionen, die wesentlich stärker von der Krise betroffen sind, gen wesentlich stärkerer Inflationierung tendiert.
Es ist nicht verkehrt, eine starke Industrienation als Korrektiv in einer Herde Inflationswilliger zu haben. Inflationierung hat anfänglich immer ein holdes Antlitz.
Während sich die Großhandelspreise in Deutschland Monat für Monat in erheblichen Prozenten nach unten bewegen, kommt davon beim Endverbraucher bisher nur bedingt etwas an. Bei Nischenprodukten steigen die Preise eher, bei wenigen Waren sinken sie und das meiste hält sich auf dem, durch die vorherige Inflation beruhendem, erhöhten Niveau.
Die Folge ist eine monetäre Mehrbelastung der Konsumenten, die diese zumindest optisch nicht spüren, deren spätere Wirkung aber unumgänglich ist. Hierzu passend soll, laut GFK, gerade ein Konsumentenkarneval in Deutschland stattfinden. Bemerkenswert daran ist, dass die Umsätze im Gesamteinzelhandel dennoch zurückgehen.
Direkt spürbar, sobald die politischen Ausgleichs-Maßnahmen Ende 2009 auslaufen.
Mit sich bringend
Während das europäische Geldmengenwachstum immer noch bei 7% Wachstum liegt, muss konstatiert werden, dass die Zielzone bei 4% liegt. Die größte Krise seit 1929 (soll sie jedenfalls sein), hat es bisher nicht geschafft, uns in die gewünschte Region zu bringen. Von einer Krise könnte man aber erwarten, dass sie die Zielregion untertrifft, während sie in einer Phase des Aufschwungs übertroffen wird.
Polemisch betrachtet: Die machen weiter wie bisher, nur durch Zwänge in kleinerem Rahmen.
Positiv gesehen: Die EZB und die Politik schaffen durch ihre Maßnahmen bisher eine sanfte Rückführung.
Der Beschleuniger kommt rein, wenn ein Part, es wird der politische sein, sich nicht mehr in der Lage sieht ausgleichend zur (Finanz)wirtschaftlichen Entwicklung zu wirken, da der Preis zu hoch wird.
Zeitlich gesehen ist das auch der Moment des zweiten wirtschaftlichen Einbruchs. Aus Frühling wird Winter.
Einwurf: Auch bei der Geldmenge muss das Wachstumsparadox beachtet werden. Sprich nach einem starken Wachstum ist ein bspw. nur noch halb so starkes Wachstum ein Problem und führt zu Verwerfungen.
Die gute Arbeit der EZB konnte man kurz vor dem Halbjahreswechsel wahrnehmen. Knapp 400 Mrd. zu 1% für 1 Jahr wurden an die Banken verliehen. Damit wurde der zum Halbjahr besonders hohe Liquiditätsbedarf entschärft, den sich die Banken sonst, zu höheren Konditionen, über den Geldmarkt hätten besorgen müssen. Dass dabei durch die Banken auch gleich Geld gehortet wurde, spricht a) für den Sinn der Maßnahme und b) wie schwierig es für die Banken immer noch ist, sich über den Interbankenmarkt zu refinanzieren.
Herleitung
Die derzeit positive Stimmung generiert bei vielen Unternehmen die Angst, einen jetzt kommenden Aufschwung zu verpassen. Entsprechend werden wieder Zeitarbeiter eingestellt, Fachkräfte mobilisiert und erste Investitionen getätigt. Aus den positiven Frühindikatoren lassen sich reale, positiv besetzte, Vorgänge, ableiten. Erhöhte Kosten, wenn der Aufschwung nicht kommt.
Derweil weisen die Daten unserer Schlüsselindustrien keinerlei Erholung auf. Besonders hart trifft es immer noch den Maschinenbau und seine Auftragseingänge. Beachtenswert, da diese eine hohe Vorlaufzeit haben und somit als mittelfristiger Indikator geeignet sind.
Ebenso im Einzelhandel. Hier gehen, wie bereits erwähnt, die Umsätze zurück. Gewohnheitsmäßig wird bis zur Feststellung der Zahlen jedoch immer Gegenteiliges behauptet.
Keinerlei Entspannung ist im Bankensektor zu bemerken. Die Erleichterungen bei der Bilanzierung wirken zwar, doch werden dadurch die Probleme nicht behoben. Die Kreditvergabe ist weiterhin restriktiv und für Unternehmen teuer. Es häufen sich auch Meldungen, denen nach (mittlere- bis kleine) Unternehmen mit einer Staatsgarantie keine Kredite bekommen.
Dabei zeigt sich gerade in Deutschland ein weiteres Paradox. Unsere stark mittelstandsgeprägte Wirtschaft wird seitens der Politik kaum gestützt. Das Geld wandert vornehmlich zu den Großen der jeweiligen Branche, die hierfür ihren politischen Einfluss geltend machen. Dabei generiert die Politik ein Szenario, in dem die Marktbereinigung überwiegend im Mittelstand und bei kleinen Unternehmen stattfinden wird. Der größten Arbeitgebergruppe Deutschlands. Dadurch wird der Arbeitsmarkt und unser Sozialsystem künftig über das Notwendige hinaus belastet.
Was die Lage am Interbankenmarkt betrifft, weisen die Maßnahmen der EZB den Weg. Nebst der Flutung des Geldmarktes hat sie begonnen Pfandbriefe aufzukaufen. Ganz nett, zur Stärkung des Eigenkapitals der Banken. Doch zeigt es auch, wie dringend die Banken immer noch Eigenkapital benötigen, wenn sie bereits die (vermeintlich) sicherste Anlageform an die EZB verkloppen müssen.
Am Rande: Die letzte Pfandbriefbank ist 1901 platt gegangen.
Hier zeigt sich auch ein generelles Problem. Die Banken sind angehalten, ihr Eigenkapital zu stärken. Dabei geht es nicht nur um eine generelle Stärkung, sondern auch um das Ausgleichen der unumgänglichen Abwertung von Assets. Eine generell sinkendes Eigenkapital muss also erhöht werden.
Als Maßnahmen, dem Herr zu werden, fiel der Politik bisher eine veränderte Bilanzierung, Ausgleich des dadurch sinkendem Interbankengeldflusses (durch die EZB) sowie eine Bad Bank ein.
Die veränderte Bilanzierung schafft rechnerisch Entlastung. Die Bad Bank hingegen sorgt für eine Aufrechterhaltung der Bewertungen, da sie zur hohen Bewertung „einkauft“. Derweil muss die EZB das dadurch in geringerem Ausmaß zur Verfügung stehende Geld im Interbankenmarkt ausgleichen.
Solange nur ausgleichende Maßnahmen getroffen werden, muss den Preis die Realwirtschaft zahlen. Mehr, als Ausgleich, versucht man über Staatsbürgschaften zu generieren. Sicherere Kredite ändern nur nichts am Grundprinzip der Kreditvergabe, sie verändern nur den Wettbewerb um die „mögliche“ Kreditvergabe zugunsten derer, die eine Staatsbürgschaft bekommen. Daher die obige Aussage, dass Stützungsmaßnahmen sich vornehmlich auf die Großen beschränken.
Mit den momentanen Maßnahmen segeln wir gen Deflation.
Machtverhältnisse im Dollarraum
China will mehr Macht. Wollten sie schon immer.
Die größte Gefahr für eine Entwertung des Dollars liegt in der Aufwertung des Renminbi. Eigentlich ein alter Hut, aber aktuell wie selten zu vor, denn während die US-Politik nahezu täglich bekundet, dass der Dollar stark sein soll, fordert sie zugleich von den Chinesen die Freigabe der Währung gegenüber den Marktverhältnissen.
Die Schizophrenie zwischen politischem und wirtschaftlichem Ansinnen.
Unstrittig ist dabei, dass der Dollar immer mehr unter Druck geraten wird. Er hat als Weltreservewährung ausgedient und im Verlauf der Jahre wird sich entweder eine neue Leitwährung oder ein weltweiter Währungskorb als Leitwährung herausbilden.
Die Konzepte hierzu liegen seit längerem auf dem Tisch und der politische Wille scheint allseits vorhanden. Die Gewinner, Europa + BRIC, sind auch bereits ausgemacht. Wirklich ernsthaft kann das momentan nur niemand vorantreiben wollen und so bleibt es erst mal nur bei den Willensbekundungen.
Nicht wollen, da der Dollar, solange er die Leitwährung ist, für alle Beteiligten enorm wichtig ist. Dabei kann ein Nicht-Chinese dankbar sein, dass die Chinesen den Renminbi zur Zeit nicht aufwerten können, ohne sich selbst zu schaden, da er allen anderen derweil ermöglicht zu einem halbwegs festen Dollar die eigenen Devisenreserven breiter zu streuen.
Danke.
China selbst, versucht seine „Dollar“ unters Volk zu bringen. Über Konjunkturprogramme im Inland und Investitionsprogramme im Ausland.
Ich vermute: China ist der stärkste Verkäufer von US-Staatsanleihen, die von der FED gekauft werden. Mit dem daraus generierten Cash werden dann wieder neue US-Staatsanleihen gekauft. Eine elegante Methode zur Refinanzierung der USA, die vor allem zur Folge hat, dass die USA nicht, wie gerne postuliert, Geld für den Markt druckt und demnächst in einer Megahyperinflation verenden wird.
Disclaimer: Es ist eine Theorie, ich habe keinerlei Anhaltspunkte zu den „wahren“ Verkäufern gefunden. Ich würde es allerdings genau so machen, wenn ich in der Lage wäre es tun zu müssen.
Dieses Vorgehen würde einiges von dem entschärfen, was den USA vorgeworfen wird und darauf hindeuten, dass das Maß an direkter Inflationierung des Marktes wesentlich geringer, ist als angenommen.
Mein Fazit
Deflation ist das Thema unserer Zeit.
